Die Stadt erstickt an ihrer Mobilität

Erstellt von Andreas Burkert | |   E-Mobilität

Die letzte Ausfahrt scheint unerreichbar. Wenn sich das Mobilitätsverhalten in den Großstädten nicht ändert, kollabiert der Verkehr. Politik und Industrie haben dies erkannt und haben zumindest schon mal fünf Weichenstellungen der urbanen Mobilität identifiziert.

Die engen Gassen einer Altstadt sind für ein SUV tabu. Auch ohne Fahrverbot. Die Abmessungen moderner Sport Utility Vehicle haben eine Dimension erreicht, die das Fahren in der Stadt zur größten Herausforderung machen. Ein weiteres Problem: Es gibt immer mehr Autos in der Stadt wie das Beispiel München zeigt. Im Zeitraum von 2005 bis 2016 stieg die Zahl von 668.000 auf 813.000 an. Eine dramatische Entwicklung, die offenbart, dass die Bürger noch lange nicht zum Verzicht auf das eigene Fahrzeug bereit sind. So lässt sich der aktuelle Demografiebericht des Referats für Stadtplanung und Bauordnung interpretieren. Warum aber stagniert der Umstieg auf umweltfreundliche Alternativen?

Eine Frage, die sich auch der Kämmerer stellen sollte. Immerhin gehen Experten davon aus, dass von den etwa 85 Prozent BIP, das derzeit in den Städten erwirtschaftet wird, rund vier Prozent verloren gehen – nur weil Autos dort im Stau stehen. Geld wie es für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs nötig wäre, der in mancher Großstadt der Bevölkerungsentwicklung weit hinterher hinkt. Doch noch mehr Busse auf den Straßen lösen das Problem nicht. Es müssen weitere Handlungsfelder bearbeitet werden, um die Mobilität in urbanen Zentren hinsichtlich eines sogenannten Urban Foot Prints zu verbessern. Davon sind die Initiatoren der Plattform Urbane Mobilität überzeugt.

Digitale Mobilität schafft Freiräume in der Stadt

In dieser Partnerschaft zwischen deutschen Städten und Vertretern der Automobilindustrie sollen Konzepte zur urbanen Mobilität und Logistik erarbeitet werden. Im Werkzeugkasten zum Bau einer modernen Mobilität finden sich Methoden der Digitalisierung und alternative Antriebe ebenso wie automatisierte Fahrzeugsysteme sowie Mobilitätsservices. Darunter fallen etwa Sharing-Modelle für Autos, E-Roller und E-Bikes. Vor allem das Lastenrad rückt in den Fokus kleiner Unternehmen und jener Selbstständige, die mit Auslieferungs- und Beförderungsfahrten Geld verdienen.

Und so erobert das Lastenrad die Innenstadt. Denn auf der letzten Meile lassen sich dadurch die Betriebskosten erheblich senken. Und es ist die Chance für den Handel, mit innovativen Produkten und Services den Umsatz anzukurbeln. Dass der Staat das Lastenfahrrad mit bis zu 2500 Euro fördert, dürfte der Branche einen weiteren, enormen Schub geben. Dass immer mehr Familien aufs Lastenrad umsatteln, um losgelöst von der Parkplatzsuche großeinzukaufen, zeigt, dass sich das Mobilitätsverhalten im Kleinen schon ändert. Dennoch muss groß gehandelt werden.

Fünf Wege zur modernen Stadt der Mobilität

Mit einer Art Fünf-Punkte-Plan wollen Verkehrsexperten die richtigen Weichten für die Mobilität in Städten stellen.

  1. Multi,- Intermodalität sollen unterschiedliche Verkehrsträger effizient und nachhaltig miteinander verknüpfen. Die Wahl verschiedener Mobilitätsangebote über eine Plattform ist dabei ein Ziel.
  2. Verkehrs-, Parkmanagement und Flächennutzung sollen den „Urban Foot Print", der momentan vom Verkehr eingenommen wird, reduzieren. Die freigewordene Fläche dient zur grünen Urbanisierung.
  3. Digitalisierung über alle Ebenen hinweg ist dafür die Voraussetzung. So können Mobilitätsangebote wie auch Logistikservices weiterentwickelt werden.
  4. Rahmenbedingungen müssen dafür von der Politik geschaffen werden. Damit innovative Mobilitätslösungen schnell ermöglicht werden. Auch, um ein Umfeld für Investitionen von Dritten zu schaffen.
  5. Dialog mit den BürgerInnen ist ein weiterer wesentlicher Punkt, um die Mobilitätswende und den damit erforderlichen Verhaltenswandel umzusetzen.
Straßenszene in Xiangyang, Zentralchina. (c) Andreas Burkert