Ein mexikanischer Traum bekommt Räder

Erstellt von Dagmar Köhler | |   AutoKunst

In der Autostadt in Wolfsburg wird zur Zeit ein außergewöhnliches mexikanisches Kunsthandwerk auf Rädern präsentiert: Ein VW-Käfer, Baujahr 1994, der mit rund 20.000 Halbedelsteinen auf seiner Karosserie besetzt ist und in seiner Bildsprache traditionelle Symbole aus einer der bedeutendsten Hochkulturen Mexikos aufgreift.

Besucher der Autostadt in Wolfsburg haben aktuell die Gelegenheit im ZeitHaus einen Kunst-Käfer zu betrachten, den „Vocho teotihuacano“, der auf seiner Deutschland-Reise die erste Station in der Stadt macht, in der die Erfolgsgeschichte des Kultautos ab den späten 1940er Jahren begann.

Kein anderes Automobil weltweit hat es geschafft, die Menschen derartig in den Bann zu ziehen. Über Generationen wurden persönliche Geschichten, Erlebnisse und Emotionen mit dem Käfer verbunden. Kein Wunder also, dass dieses Auto längst Einzug in die Kunst gehalten hat. Der „Vocho teotihuacano“ verbindet dabei seine deutschen Wurzeln mit jahrhundertealten Traditionen des Landes, in dem er bis 2003 vom Band gerollt ist, und wird so zum Botschafter der Deutsch-Mexikanischen Beziehungen.

Hochkultur von Teotihuacán Ideengeber für automobiles Kunstprojekt

Der Stolz ist dem künstlerischen Leiter des Kunstprojektes, Héctor Garnelo Navarro, geradezu ins Gesicht geschrieben. Nach fast dreijähriger Arbeit mit einem sechsköpfigen Kunsthandwerker-Team, ist sein Traum, der mexikanischen Kultur Räder zu verleihen, mit viel Liebe zum Detail, Wirklichkeit geworden. <i>Garnelo Navarro</i> berichtet, dass alleine das Einsetzen der Halbedelsteine, wie Obsidian, Jade oder Aventurin-Quarz, anderthalb Jahre in Anspruch genommen hat, bei einem straffen Arbeitspensum von acht Stunden täglich. Die Steine stehen dabei in der Tradition des mexikanischen Kunsthandwerks und wurden bereits von seinen Urahnen zu Kunstobjekten verarbeitet. Die Formationen der Steine zeigen herausragende Figuren der Mythologie der prähistorischen Ruinenstadt Teotihuacán, die zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Vor fünf Jahren sei Garnelo Navarro die Idee gekommen, ein solches Kunstprojekt zu initiieren, gerade im Hinblick, die mexikanische Tradition an junge Menschen zu vermitteln.

Otto-Ferdinand Wachs, Geschäftsführer der Autostadt, wünscht sich persönlich auch ein so gut poliertes Automobil, und ist vor allem von den reichen Verzierungen des „Vocho teotihuacano“ begeistert. Wer aufmerksam um das Auto geht, kann sich auf eine kleine kulturelle Reise in die Welt von Teotihuacán begeben: Auf der Kofferraumhaube befindet sich eine beeindruckende Maske der Kultstätte, flankiert von den wohl symbolträchtigsten Anlagen des einstigen prähispanischen Machtzentrums: Der Sonnen- und der Mondpyramide. Die Türen zeigen einen Adler und Jaguar, während auf dem Dach der Gott der Unterwelt (Mictlantecuhtli) mitreist und eine gefiederte Schlange, der Schöpfergott (Quetzalcóatl) sich um die Kotflügel schlängelt.

Dualjahr Mexiko-Deutschland 2016 als Plattform des Kulturaustausches

Der Geschäftsträger a.i. der Botschaft von Mexiko, Dr. Alejandro Rivera Becerra, betrachtet es als besondere Ehre, gerade im Dualen Jahr 2016 zwischen Deutschland und Mexiko, das unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck und seinem mexikanischen Amtskollegen Enrique Peña Nieto steht und u.a. den kulturellen Austausch zwischen den Ländern vertieft, den „Vocho teotihuacano“ in der Autostadt präsentieren zu können. Rivera Becerra selbst sei als Student einen „vochocito“, - wie der VW-Käfer liebevoll von den Mexikanern genannt wird – gefahren. Mit der Produktion des Käfers in Mexiko ist das Auto zum Symbol deutsch-mexikanischer Beziehungen geworden. Sätze wie, „Ich habe kein Auto, ich habe einen „vocho“!, sind inzwischen gelebter Ausdruck für den deutsch-mexikanischen Sympathieträger geworden.

Kunsthandwerker Garnelo Navaro verrät indessen, dass im Dezember 2016 der „Vocho maya“ präsentiert wird und im kommenden Jahr als nächstes Modell der „Vocho azteco“ folgen wird. Insgesamt wird es eine fünfteilige Kunst-Käfer-Serie geben, die alle mit typischen Verzierungen und Symbolen der großen Hochkulturen Mexikos ausgestattet sind. Unsere Redaktion ist gespannt, auf die neuen automobilen Kunstobjekte, die folgen werden.

Vocho teotihuacano in der Autostadt

Interessierte Besucher können den „Vocho teotihuacano“ noch bis zum 14. November 2016 im ZeitHaus der Autostadt sehen. Danach wird er auf Reisen gehen und in Frankfurt am Main ausgestellt sein, wo er im Anschuss zugunsten von krebskranken Kindern versteigert werden soll.

Autostadt-Geschäftsführer Wachs hat bereits angekündigt, dass die Autostadt ein durchaus berechtigtes Interesse hätte, bei der Versteigerung mitzubieten. Wer weiß also, ob es nicht auch zukünftig für Besucher noch längerfristig Gelegenheit geben wird, den „Vocho teotihuacan“in der Autostadt zu betrachten.

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"Vocho teotihuacano" © Matthias Leitzke/ Autostadt