Studie Nachhaltigster Verkehr: Echt Stuttgart?

Erstellt von Andreas Burkert |

Stuttgart soll einer Analyse zufolge den nachhaltigsten Verkehr der 25 untersuchten größten deutsche Städte sein. Unglaublich. Wir haben das Vorgehen der Autoren angeschaut und fanden einige Kritikpunkte.

Das Ergebnis überrascht. Die Landeshauptstadt Baden-Württembergs, Stuttgart, ist die deutsche Stadt mit dem nachhaltigsten Verkehr. Münster hingegen liegt abgeschlagen auf Platz 23. Das hat die WBS Gruppe festgestellt, die seit 40 Jahren als Bildungsanbieter aktiv ist. Das in Berlin ansässige Unternehmen hat dazu analysiert, wie sich zum einen die Preise für Monatskarten für Erwachsene im öffentlichen Nahverkehr im Bereich des inneren Stadtgebietes beziehungsweise der kleinsten Tarifzone in den 25 größten deutschen Städten zusammensetze. Außerdem wurde der Anteil an zugelassenen Elektro- und Hybridautos auf Basis von Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes ermittelt. Die Anzahl an Ladesäulen für Elektroautos wurde gemessen an der Gesamtfläche der jeweiligen Stadt basierend auf Daten der Bundesnetzagentur analysiert. Stichtag der Analyse war der 06. Januar 2020.

Dafür wurden Daten zu drei verschiedenen Variablen erhoben und ausgewertet. Pro Variable wurden jeweils ein bis 25 Punkte vergeben. Insgesamt landen Stuttgart und Augsburg mit jeweils 61 von 75 möglichen Punkten auf dem ersten Platz des Rankings. Stuttgart punktet dabei vor allem mit der höchsten Zulassungsquote an Elektro- und Hybridautos (2,12 Prozent), in Augsburg gibt es hingegen die günstigste Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr (46,80 Euro). [Ergänzung: Aktuell findet sich auf der Homepage von WBS eine aktuellere Tabelle, in der unter anderem auch das Angebot an nachhaltigen Geschäften sowie die Unterstützung der Fridays For Future-Demonstrationen vor Ort aufgenommen wurde] .

Diese fünf NRW-Städte sind die Verlierer des Rankings

Komplettiert wird die Top fünf des Rankings durch Berlin (54 Punkte) sowie Leipzig und Düsseldorf (jeweils 53 Punkte). Die deutsche Hauptstadt hat unter anderem die zweitmeisten Ladesäulen für Elektroautos gemessen an der Gesamtfläche der Stadt (0,57 Ladesäulen pro Quadratkilometer). In dieser Statistik muss sich Berlin lediglich Hamburg geschlagen geben. Weiterhin punktet Berlin mit einer hohen Zulassungsquote an Elektroautos. Allerdings gibt es in 18 der 25 analysierten Städte günstigere Monatskarten für den öffentlichen Nahverkehr.

Die letzten fünf Plätze des Verkehrs-Rankings belegen Mönchengladbach (29 Punkte), Bonn (28 Punkte), Münster (25 Punkte), Wuppertal (23 Punkte) und Duisburg (22 Punkte). Auffällig ist, dass jede dieser fünf Städte in Nordrhein-Westfalen liegt. In Duisburg gibt es beispielsweise die geringste Zulassungsquote an Elektro- und Hybridautos, Wuppertal bietet seinen Elektroauto-Haltern hingegen die wenigsten Ladesäulen pro Fläche.

Kritik am Vorgehen der Analysten

Für Joachim Giese, Vorstand der WBS Gruppe, zeigt die Analyse, dass „einige deutsche Städte und ihre Bewohner/-innen sich in dieser Sache bereits als Vorreiter positionieren“. Doch genügt es, die Preise des ÖPNV zu vergleichen, die Anzahl der Lademöglichkeiten pro Stadt und die Anzahl zugelassenen Elektro- und Hybridautomobile zu bewerten? Wobei manche Hybridfahrzeuge weder sinnvoll noch nachhaltig sind und eher das flächendeckende Gesamtangebot von emissionsfreien Bussen Bahnen eine Rolle spielen, wie auch das Vorhandensein einer guten Fahrradinfrastruktur.

Eine nachhaltige Mobilität im Stadtverkehr bedeutet nämlich, den Rückbau einer autogerechten Stadt zu einer lebenswerteren Stadt voranzutreiben, gesunde Lebensbedingungen zu gewährleisten sowie das Zusammenleben der Menschen in den Städten und Quartieren zu stärken. Welche Faktoren dafür maßgeblich sind, nennt das Konzeptpapier für den Stadtverkehr der Zukunft des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, welches der Redaktion vorliegt.

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(c) Ministerium für Verkehr BW, Daniel Mühlebach