Segeln auf Mallorca: Kinder lieben das Abenteuer auf Normalnull

Erstellt von Andreas Burkert | |   KinderReiseTipss

Kaum eine andere Segelschule in Spanien wird so familiär geführt wie Sail&Surf in Port de Pollença. Die Chefin Annika Möller ist nämlich Mutter von drei Kindern und weiß, was ihre Gäste mögen. Auch deshalb haben wir uns dort mutig aufs Wasser getraut.

Ich lieb es an Bord, es weht ein frischer Wind. An diesem Tag aber braust das Mittelmeer sich stürmisch auf. Der Katamaran, mit dem ich in der Bucht von Pollença kreuze, verträgt noch zwei, drei Beaufort mehr. Mir aber genügen die Böen. Es ist immerhin meine erste Segelstunde. Alles andere zuvor war ein drauf Lossegeln. Nun begleitet mich mit Richard erstmals auch ein Profi der Segelkunst. Er ist Assistenzlehrer der mallorquinische Segel- und Surfschule Sail&Surf im Norden Mallorcas, in Port de Pollença und gibt mir zur ersten Probesegelstunde seemännische Ratschläge. Sicher in Theorie und Praxis und geschult im Umgang mit jedem Charakter, weist er mich kurz ein, segelt die ersten Meter an. Dann übernehme ich. Richard scheint zufrieden.

Nur einmal wankt er, als ich vergesse, die Klar-zur-Wende-Frage zu stellen und dennoch das Manöver einleite. Ärger gibt es nicht, aber auch kein wirkliches Lob. „Schönes Wendemanöver“, lobt er, um im gleichen Atemzug auf die zwei gröbsten Fehler hinzuweisen. Die Pinne nicht zur kräftig rumreißen und eben das Klar-zur-Wende-Manöver deutlich ankündigen. Dann lächelt er. Und in dem Moment muss ich mich an die Worte seiner Chefin, Annika Möller, am Abend zuvor erinnern. „Wir wollen nur noch glückliche Kinder. Deshalb schulen wir mit Herz“. Annika ist die Besitzerin der Segelschule und Mutter von drei Kindern. Sie weiß also, wovon sie redet. Was es dazu noch zu sagen gibt, später.

Kinder lieben das Segeln

Die Fischer der urigen Siedlung haben hier das Leben seit Jahrhunderten geprägt, und dennoch kannten sie bis in die späten 1960iger Jahre den Strand nicht, der heuer zum Stadtbild gehört wie der feinkörnige Sand in den Haaren der Kinder wenn sie vom Segelunterricht kommen. Erst in den  1968er Jahren wurde der Sand aufgespült, wenig später wurde die Bucht von Pollensa vom Reiseveranstalter Neckermann als neuer Segel- und Surfspot der Baleareninsel auserkoren. Die Idee: Gemeinsam mit dem Segelprofi Uli Hübner sollte in der Bucht eine Segelstation errichtet werden. Dann kam Gottfried Möller – seinerzeit 23 Jahre jung.

Schon als Binnensegler nutze er in Deutschland jede Gelegenheit und jedes Gewässer zum Segeln. Seine Semesterferien wollte er nun das mallorquinische Segels probieren. So stieg er „hier am Strand ins Boot, segelte seinen Turn und blieb“, erzählt mir Annika, seine Tochter. Die Idee der Segelschule hat ihn sofort begeistert. Also siedelte er nach Mallorca um und wurde Teil der gleich sehr erfolgreich gestarteten Segelstation Pollensa, dessen Leitung er nach kurzer Zeit übernahm. Irgendwann fand er seine Frau fürs Leben, die Tochter kam und 1988 übernahm Gottfried die Segelschule, gründete mit dem Inhaber einer lokalen Surf- und Catschule die heutige Station Sail & Surf Pollensa.

Kenn ich, kann ich

Sicher ist es auch meinem Talent zu verdanken, dass der Katamaran einigermaßen kontrolliert und hart am Wind über die offene Bucht segelt. Doch vor allem auch sind‘s die kleinen Korrekturen am Großriff? Und dem Topsegel, die Richard ausführt und damit nach Prüfungsordnung segelt. Meinen Segelschein allerdings bekomme ich nicht an diesem einen Nachmittag. Dazu brauchts mehr. Etwa einen der vielen Kurse, die von den „Profis geführt werden“, so Richard. Ergänzend finde ich später in einer Mitteilung, dass „hochqualifizierte Lehrer strikt die Richtlinien des Deutschen Segler Verbandes verfolgen“. Ich habe verstanden.

Neben verschiedener Kurse haben Teilnehmer im Übrigen auch die Möglichkeit, amtliche deutsche Scheine sowie den Sportbootführerschein See oder Binnen und den Sportküstenschifferschein zu erwerben. Anlässlich der Segelschein-Prüfungen werden alle zwei Wochen unabhängige Prüfer des DSV eingeflogen. Egal ob Galeone, Jolle oder Katamaran, alle Boote werden regelmäßig von der hauseigenen Werkstatt gewartet, sodass die hohen Qualitätsstandards der Boote von Jahr zu Jahr garantiert werden können. Für Annika ist dies ein besonderes Anliegen. Auch dass die gesamte Bandbreite an Booten abgedeckt wird. „Von Einsteigerbooten für Kinder bis hin zu schnellen Wettkampfbooten, die sofort an jeder Regatta teilnehmen könnten“ ist alles vorhanden, erzählt mir Annika in bestem Deutsch. Dabei ist sie in dem kleinen Fischerdort geboren worden, aufgewachsen und hat auch hier ihre Familie gegründet.

Und am Strand hüpft Álvaro um die Boote herum

Auch deshalb finden alle Kurse bei Sail & Surf Pollensa auch auf Deutsch statt. Seit dem die studierte Schiffsingenieurin und Betriebswirtin die Leinen der Segelschule in der Hand hält, kümmert sie sich zusammen mit einem 18-köpfigen Team um die Flotte, bestehend aus über 80 Booten und Boards und das Wohlergehen der Gäste. Ihr Vater hat ihr 2004 alle Geschäfte und Seekarten übergeben, um seinen Ruhestand von Land aus zu genießen. „Natürlich ist er immer da, wenn wir in der Hochsaison Hilfe benötigen“, freut Annika sich. Dann sind alle Mann an Bord.

Nur Álvaro spielt am Strand, fängt kleine Krebse und hüpft zwischen den Booten herum. „Guaita, he agafat crancs petits“, erzählt er mir auf Katalanisch. Natürlich kann er auch sagen „Schau, ich habe kleine Krebse gefangen“, sagen. Aber mit sieben Jahren redet Kind eben einfach drauf los. Er ist der jüngste der drei Kinder, die Annika neben der Segelschule und der Apartmentanlage noch betreut. Währen Álvaro noch nicht sicher ist, ob der Wassersport zu ihm passt, trainiert ihr Elfjähriger viermal die Woche mit der Leistungssportgruppe Kajak, die 13-Jährige Tochter hingegen hat soeben den Judosport für sich entdeckt. Doch Annika ist sich sicher, dass die dritte Generation irgendwann die Segelschule übernehmen wird.

In der Vorsaison von April bis Anfang Juni profitieren Reisende von speziellen Angeboten wie Cat-Adventure- oder Regatta-Touren und können den charmanten Küstenort bei milden Temperaturen genießen.

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Segel- und Surfschule Sail&Surf in Pollensa auf Mallorca
Annika Möller ist die Chefin der Segel- und Surfschule Sail&Surf in Pollensa auf Mallorca. (c) Andreas Burkert