Collien, reden wir mal über Zucker

Erstellt von Andreas Burkert | |   DriveStyle

Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist für manches Elternteil eine Herausforderung. Für die Schauspielerin Collien Ulmen Fernandes ist das Alltag, den sie mit Bravour meistert. Wie sie das anstellt und warum sie in nur drei Wochen ihren Führerschein machen musste, hat uns das Multitalent im Exklusivinterview erzählt.

In der Kino-Komödie Autobahnraser wird fast jedes Automodell gestohlen. Ein Audi TT, ein BMW M3, ein Ford Mustang, Ferrari, Porsche und sogar ein Lamborghini. Einen Opel habe ich in dem Film, den im Übrigen Bernd Eichinger produziert hat und in der Collien Ulmen Fernandes ihre erste Kinorolle spielt, nicht gesehen. Dass es ihrer erste Kino-Rolle war, wusste ich nicht, das hab ich erst später im Gespräch mit ihr erfahren.

Ich kannte sie derweil nur aus diversen Moderatoren-Auftritten – The Dome etwa. Zugegeben: Auch die Reportage  „Hoher Preis für billige Klamotten“ habe ich gesehen. Dann habe ich recherchiert und war überrascht, wie vielfältig und arbeitsintensiv ihr Arbeitsleben ist. So etwas ist nicht typisch für eine Familienmanagerin mit zwei kleinen Kindern. Überrascht war ich auch von der Art, wie sie ihren Führerschein gemacht hat.

 

Collien, seit drei Jahren fährst Du auch privat Opel und trittst als Markenfürsprecherin in Erscheinung. Warum denn ausgerechnet diese Marke?

 

Ich bin sozusagen in einem Opel groß geworden, ich habe meine gesamte Kindheit darin verbracht. Mein Vater fuhr nämlich sein Leben lang Opel, und er fährt ihn immer noch.

 

Und dein Mann?

 

Der fuhr früher einen, heute fährt er eine andere Marke.

 

Ich denke mal, er hat seine Gründe?

 

Bestimmt. Aber er ist manchmal ganz eifersüchtig auf meinen Insignia. Ich habe nämlich Apple CarPlay und er nicht. Als er das zum ersten Mal bei mir gesehen hat, hat er große Augen bekommen und war schon ein wenig enttäuscht, dass sein Wagen das nicht kann.

 

Dein Mann hat einen Sohn mit in die Ehe gebracht und zusammen habt Ihr eine Tochter. Beide dürften nun in dem Alter sein, wo sie mit andern Kindern etwas unternehmen wollen. Wirst Du mit deinem Insignia von den anderen Eltern schon als Shuttle-Service in die Pflicht genommen?

 

(Lächelt) Nein, Nachbarskinder musste ich noch nicht rumfahren. Die Zeit des sich Verabredens fängt bei meiner Tochter jetzt erst so langsam an und mein Stiefsohn kommt zu Fuß mit seinen Kumpels vorbei. Die Einzigen, die mich als Shuttle einspannen, sind manchmal meine Schauspiel-Kollegen am Set, da ich bei den meisten Filmprojekten die einzige Schauspielerin bin, die mit dem eigenen Auto zum Dreh fährt.

 

Stimmt das, dass dein erster Dreh fast daran gescheitert wäre, weil Du keinen Führerschein hattest?

 

Ja. Ich war bei beim Casting, dreimal! Und ich wurde genommen. Dann erzählten die mir, dass ich für die Rolle einen Führerschein brauche. Ich hatte drei Wochen Zeit. Die sagten mir, wenn ich es nicht schaffe und durch die Prüfung falle, werde ich umbesetzt und eine Zweitbesetzung übernimmt die Rolle.

 

Gemein!

 

Ja, ich stand ganz schön unter Druck! Aber kein Problem (Lächelt). Die Produktion hat mich in einer Ferienfahrschule angemeldet und ich habe die Prüfung gerade so geschafft.

 

Mal abgesehen vom vielen Reisen, wie ist die Arbeit vor der Kamera?

 

Spannend und abwechslungsreich. Ich kann mir jedenfalls beruflich nichts anderes vorstellen.

 

Sprichst Du mit abwechslungsreich Deine Reportage über die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie an?

 

Ich mag, dass ich mich in meiner beruflichen Laufbahn insgesamt so vielseitig ausprobieren darf. Ich mache nicht immer das Gleiche. Gerade durfte ich bei Spongebob die Rolle übernehmen, die Victoria Beckham im Original spricht. Das war mein erster Job als Synchronsprecherin. Außerdem fange ich demnächst mit den Dreharbeiten zu einer Serie an, die nächstes Jahr kommen wird. Und in 2017 stehe ich für einen weiteren Film vor der Kamera, der dann allerdings erst 2018 rauskommt. Außerdem bin ich nun wöchentliche Kolumnistin in der Süddeutschen Zeitung, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Und auch als Moderatorin darf ich mich in sehr unterschiedlichen Bereichen austoben, von der Moderation großer Shows wie „The Dome“ bis zu kleinen, feinen Projekten, wie meiner Reportage „Hoher Preis für billige Klamotten“. Das war wirklich ein ganz besonderes Projekt, das mich immer noch sehr beschäftigt. Das Thema geht uns alle etwas an. Wenn Du Zeit hast, musst Du Dir den Film mal anschauen.

 

Hab ich schon. Zum Teil verstörend. Auch weil dort auch teure Luxuslabel produzieren lassen. Hast Du bereits ein weiteres Thema auf der Agenda?

 

Vor Kurzem habe ich mich wieder mit meiner Doku-Produzentin getroffen und überlegt, was man noch machen könnte. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht und einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat, sieht man ständig potenzielle Doku-Themen, da man sich andauernd über irgendeine Ungerechtigkeit aufregt. Ich habe ihr bestimmt zwanzig Themen auf den Tisch geknallt, die mich interessieren und über die ich gerne etwas machen würde. Nur lässt sich eine Reportage eben nur dann umsetzen, wenn ein Sender das genau so sieht.

 

Lass uns da mal über Zucker reden. Du hast mir im Auto erzählt, dass Dir viel daran liegt, dass deine Kinder sich gesund ernähren.

 

In meinem Buch habe ich das Thema Zucker und Kinderernährung behandelt, in einem Interview mit einer Dame von Foodwatch. Dabei ging es unter Anderem um versteckte Zucker und Schummelbegriffe hinter denen sich Zucker verbirgt, ohne dass die Verbraucher es wissen. Außerdem ist echt interessant, dass Lebensmittel, die gezielt für Kinder vermarktet werden, oft um ein vielfaches mehr Zucker enthalten als ein vergleichbares Erwachsenenprodukt. Egal, ob es sich dabei um Fruchtjoghurt, Saft oder Müsliriegel handelt.

Foodwatch hat zum Beispiel Frühstücksflocken verglichen und das Ergebnis war: Die Flocken, die speziell an Kinder gerichtet waren, sind im Schnitt um 50 Prozent zuckriger als die für Erwachsene! Das finde ich echt krass! Das war auch eines der Themen, die ich vorgeschlagen habe, aber ein gewisser Sender wollte das Thema lieber mit einem Koch umsetzen..

 

… der aber vermutlich keine Kinder versorgen muss. Typische Fehlbesetzung.
Zurück
Collien Ulmen Fernandes vor dem Zafira. Typisch Familienauto.
Collien Ulmen Fernandes vor dem Zafira. Typisch Familienauto. (c) Opel