Brauchtum im Bayrischen Wald

Erstellt von Andreas Burkert | |   Bayern

Hexen, Druden, Wölfe, Luchse, Bären, Tod und Teufel – seit jeher gelten die Herbst- und Winternächte im Bayerischen Wald als Zeit, das „Böse“ zu vertreiben. Wie wissen, wo sie jedes Jahr ihr großes Spektakel veranstalten.

Wenn 1.370 Glocken im gleichen Takt läuten, dann befindet man sich im Bayerischen Wald beim „Wolfauslassen“. Die Gemeinde Rinchnach ist damit seit 2009 offizieller Weltrekordhalter bei diesem Brauch. Früher band man Kühen Glocken um den Hals, um die wilden Tiere wie Wölfe, Luchse und Bären durch das Läuten „auszulassen“. Aus Ermangelung an Weidevieh lassen heute die Männer und Frauen der Gemeinden jedes Jahr am 10. November den alten Hirtenbrauch aufleben. Höhepunkt ist das gemeinsame Abschluss-Läuten aller „Wölfe“ am Wochenende vor dem St. Martinstag. Dann ziehen in Langdorf beispielsweise etwa 50 Wolfauslasser im Rhythmus ihrer Glocken durch die Straßen. Gänsehautfeeling.

In den Rauhnächten hingegen werden die bösen Geister vertrieben, die Unglück, Krankheit, Not, Misserfolg und Naturkatastrophen bringen können. In eben jenen Rauhnächten sind diese Dämonen besonders mächtig und werden daher mit Bewirtung und Gaben oder durch Räuchern, Lärmen, Gebete, Weihwasser, Zauber- und Bannsprüche vom Heim ferngehalten. Zu den Rauhnächten zählen der Thomas- und Andreastag, Weihnacht, Neujahr, Dreikönig und Lichtmess oder auch die „Zwölfnächte“ von Weihnachten bis Dreikönig

Dann brausen auch die Seelen als „Wilde Jagd“ über das Land. Zum Schutz gelten das Räuchern und Lärmen mit „rauhen“ Gebärden und Umzügen dabei als besonders wirksam. Bis heute ist der Brauch der Rauhnächte im Bayerischen Wald lebendig. Am 28. Dezember etwa sind auf der Sankt Englmarer Rauhnachtsparty Rauhwuggerl, Hexen und Teufel unterwegs. Und am 5. Januar findet im alten Kellergewölbe der früheren Brauerei von Münster die Waldkirchener Rauhnacht statt. Im Kellerlokal treffen sich die wilden Gestalten und ziehen unter großem Lärm zum Marktplatz, wo das Böse in Form einer Strohpuppe verbrannt wird. Die „Rauhnudel-Sänger“ ziehen indessen von Haus zu Haus und erbitten Gaben, die sogenannten Rauhnachts-Nudeln.

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Waldkirchen Rauhnacht. (c) Tourismusbuero Waldkirchen